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Marlons Yoga-Blog

04.02.2016

Der Kopfstand/ Sirsasana


von Marlon Jonat

Der Kopfstand (Sanskrit: Sirsasana)

Kategorie: Umkehrübung, Gleichgewichtsübung, Kraftübung

 

Schwierigkeit: 1 2 3-4 5

Kraftaufwand: 1 2-3 4 5

Flexibilität: 1 2 3 4 5

Gleichgewicht: 1 2 3-4 5

 

 

Der Kopfstand oder auch bekannt als "der König der Asanas (Yoga Übungen)". Diese Asana ist nicht nur eine der effektivsten Yoga Übungen, sondern wohl auch eine der bekanntesten, wenn nicht sogar die bekannteste. Sie zählt zu der Gruppierung der Umkehrhaltungen, wie auch der Schulterstand (Sarvangasana) oder der Hund (Adho Muka Svanasana) und viele weitere.

 

Der wohl wichtigste Aspekt der Umkehrhaltungen, ist die Entlastung des venösen Blutgefäßsystems und damit einhergehend die Absenkung des Blutdrucks im Unterkörper. Dies wird durch das Absenken des Oberkörpers oder das Anheben des Unterkörpers erreicht. Oftmals wird beides, wie beim Kopfstand, kombiniert. Doch der Kopfstand würde wohl nicht "König der Asanas" genannt werden, wenn er nur eine Entlastung des Venösen Blutgefäßsystems bewirken würde. Mit der Absenkung des Blutdrucks in den Füßen von etwa 210 auf fast Null, wird stattdessen der Blutdruck im Oberkörperbereich stark erhöht. Damit einhergehend wird häufig von einem Blutaustausch oder einer verbesserten Durchblutung gesprochen, jedoch ist dies nicht ganz richtig. Denn nur weil sich im Oberkörper der Blutdruck erhöht und somit mehr Blut in den Gefäßen ist, heißt dies noch nicht, dass die Organe davon tatsächlich einen Nutzen haben. Sonst würde man sicherlich auch sagen, dass die Füße nach langem Stehen gut durchblutet sein.

 

Ist es also nur ein Mythos, dass der Kopfstand so wirkungsvoll ist?

 

Nein, der Kopfstand hat sehr wohl eine Vielzahl wohltuender, gesundheitserhaltender und -aufbauender Wirkungen. Ob er auch die Bezeichnung verdient "der König unter den Asanas" zu sein, lässt sich sicher diskutieren! Durch die für den Kopfstand eingenommene Körperposition, wird das in den Beinen und Füßen angestaute Blut beim Rückfluss unterstützt und angesammelte Stoffwechselschlacken können leichter abgeführt werden. Die Veränderung des Blutdrucks minimiert die Bildung von Krampfadern und stellt zudem eine größere Herausforderung für den Herzmuskel da, wodurch dieser trainiert wird und Durchblutungsstörungen lindert.

 

An der "Third Clinic of Internal Medicine Crakow" wurde ein Test zu den Auswirkungen des Kopfstands auf die Blutqualität und -zusammensetzung durchgeführt. Dabei stand ein Mann, 30 Minuten auf dem Kopf, was dazu führte das sich seine Luftaufnahme (von ursprünglich 8Liter/min auf 3Liter/min) verringerte, jedoch die Sauerstoffaufnahme um 33% erhöhte. Mit anderen Worten: Bei deutlich ruhigerer Atmung stieg der Sauerstoffgehalt im Blut signifikant an. Das sauerstoffreiche Blut gelangt wiederum zum Gehirn und allen weiteren Organen und kann so die Konzentration sowie die Funktionstüchtigkeit der Organe verbessern.

 

Insbesondere bei einigen Krankheiten der Augen, Ohren, Nase und Hals sowie bei Nierenleiden, Magensenkungen und Verstopfung, ist diese Übung zu empfehlen. In Verbindung des Blutdrucks im Oberkörper und Kopf und dem erhöhten Sauerstoffgehalt des Blutes, wird vermutet den Ausfall und das Grau-werden der Haare sowie die Faltenbildung im Gesicht verlangsamen zu können. Nicht umsonst wird diese Asana auch als "Verjünger" bezeichnet. Laut der Studie der "Third Clinic of Internal Medicine Crakow" konnten Personen die über einen längeren Zeitraum den Kopfstand praktizierten, sogar emotionale und psychische Störungen sowie Atembeschwerden schrittweise reduzieren und schließlich heilen. Stattdessen stellte sich bei ihnen mentale und körperliche Ausgeglichenheit ein und Persönlichkeitsmerkmale wie Mut und Selbstbewusstsein wurden gestärkt.

 

Den Kopfstand kann man neben den Umkehrhaltungen auch zu den Gleichgewichts Übungen zählen. Durch das Ausbalancieren des Körpergewichts auf der Schädeldecke und den Unterarmen, wird die Körperwahrnehmung geschult und das Gleichgewicht sowie die muskuläre Koordination trainiert. Grundvoraussetzung dafür ist eine bereits gute Grundmuskulatur und ein stabiler Rumpf. Vor allem die Schultern aber auch der Rücken, die Arme, der Bauch und der Nacken werden in dieser Asana gestärkt. Um den Kopfstand sicher beherrschen und ihn ohne Verletzungsgefahr ausüben zu können, verlangt es einige Zeit der Übung und Vorbereitung.

 

Das führt uns unweigerlich zu dem Punkt das der Kopfstand nicht für jeden gleichermaßen geeignet ist. Bei starkem Bluthochdruck, Bandscheibenvorfällen der Hals- und Brustwirbelsäule und anderen Hals- und Nackenbeschwerden sollte der Kopfstand nicht ohne das Urteil eines Facharztes und die kompetente Anleitung eines Yogalehrers ausgeübt werde. Das gilt auch bei Netzhautablösungen, erhöhtem Augeninnendruck und schweren Augen- ,Herz- und Hirnkrankheiten. Ebenfalls bei Übergewicht, Schwangerschaft während der Menstruation und bei Thrombose. Ansonsten gilt generell im Yoga, gehe nur so weit in eine Übung bzw. halte sie nur so lange wie du spürst, dass es dir gut tut. Im Zweifelsfall lieber einmal zu viel weglassen als einmal zu oft praktizieren.

 

 

Positive Wirkungen des Kopfstands/ sirsasana im Überblick:

 

körperlich

 

gestärkte Bereiche:

- Schultern, Rücken, Arme, Bauch, Nacken 

weitere Wirkungen:

- entlastet das venöse Blutgefäßsystem in den Beinen

- trainiert das Herz

- Stoffwechselschlacken werden abgeführt

- minimiert die Bildung von Krampfadern

- verbessert die Funktion der Organe

- heilt Atembeschwerden

- schult die Körperwahrnehmung und verbessert das Gleichgewicht und die muskuläre Koordination

- verringert den Ausfall und das Grau werden der Haare und reduziert die Faltenbildung im Gesicht (wirkt verjüngend)

- hilft bei einigen Leiden der Augen, Ohren, Nase und dem Hals sowie bei Nierenkoliken, einer Magensenkung und Verstopfung 

 

geistig

 

- lindert und heilt sogar emotionale und psychische Störungen

- erhöht die Gehirnfunktionen, insbesondere die Konzentrationsfähigkeit

- erhöht Mut und Selbstbewusstsein

- löst Ängste

 

energetisch

 

- wirkt aktivierend 

 

Kontraindikationen im Überblick

(Wann sollte ich den Kopfstand nicht praktizieren)

- bei Herz- und Hirnkrankheiten

- bei Bluthochdruck und Thrombose

- bei Bandscheibenvorfällen der Hals- und Brustwirbelsäule sowie bei Hals- und Nacken Beschwerden

- bei Netzhautablösungen, erhöhtem Augeninnendruck und anderen schwerwiegenden Augenkrankheiten

- bei Übergewicht und Schwangerschaft

- wenn Du dich nicht danach fühlst!